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Ihr gutes Recht – Entschädigung bei Flugreisen

Verspätung bei Flugreisen

Mildes Klima, Sonnenstrahlen und Leichtigkeit – viele entfliehen dem grauen Winter und erholen sich im sonnigen Süden. Zunehmender Flugverkehr führt allerdings auch zu Verzögerungen. Welche Rechte Sie geltend machen können, wenn Sie später als geplant im Urlaub ankommen.

Verspätungen im Flugverkehr nehmen zu, obwohl Fluggesellschaften dank der EU-Fluggastrechteverordnung zunehmend pünktlicher werden. 2004 erfolgte die Umsetzung der Konsumentenschutznorm durch die Union, weil es zu viele nichtbeförderte Passagiere gab. Mittlerweile greift die Rechtsprechung und die nimmt säumige Fluggesellschaften ziemlich in die Pflicht.

Geschützt ist durch die Verordnung, wer mit einer Airline die eine Betriebsgenehmigung für die EU hat, vom Unionsgebiet startet oder innerhalb dieser landet. Aufgrund der EWR-Mitgliedschaft gilt die räumliche Anwendung auch für die Schweiz, Island und Norwegen. Mitumfasst ist die Haftung seit einem jüngst ergangenen Urteil des EuGH nun aber auch für außereuropäische Flüge. Dann nämlich, wenn eine Flugbuchung als Einheit zu sehen ist. Das bedeutet zum Beispiel, dass ein bei der Lufthansa gebuchter Flug von Frankfurt in eine südamerikanische Provinz auch durch die Norm gedeckt ist. Hat eine regionale Airline Verspätung, muss die europäische Airline dafür geradestehen.

Wer hat Anspruch auf Entschädigung?

Anlass für die Verordnung war wie eingangs erwähnt die zu hohe Anzahl an nichtbeförferten Passagieren. Davon spricht man, wenn jemand trotz gültigem Flugschein (Ticket), gültigen Reisedokumenten und rechtzeitigem Check In am Gate zurückgelassen wird. Rechtzeitig bedeutet entweder zu der am Ticket angeführten Zeit bzw. spätestens 45 Minuten vor dem geplanten Abflug, falls keine Zeit genannt ist. Darüber hinaus steht die Entschädigung auch denjenigen Passagieren nicht zu, die sich freiwillig für einen späteren Flug gemeldet haben. Diese Passagiere sind nämlich für das Entgegenkommen in zumindest gleicher Höhe zu entschädigen wie aus dem gesetzlichen Anspruch.

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Ein weiteres Dorn im Auge waren die kurzfristigen Flugplanänderungen bzw. Annullierungen. Wenn eine Fluggesellschaft etwa aus wirtschaftlichen Gründen eine Destination gänzlich streicht, sind die Kunden zu informieren. Geschieht das bis zu 14 Tage vor dem geplanten Abflug, ist das auch bei gravierend abweichenden Flugzeiten des Ersatzfluges zumutbar. Zwischen 14 und 7 Tage vor dem geplanten Abflug darf zwei Stunden vorher gestartet und vier Stunden später gelandet werden und innerhalb von 7 Tagen vor dem geplanten Flug verkürzen sich diese Zeiten auf zwei bzw. eine Stunde.

Ein Großteil der Entschädigung wird jedoch für Verspätungen bezahlt und diese müssen wesentlich sein. Wesentlich bedeutet auf Kurzstreckenflügen eine zumindest zweistündig verspätete Ankunft am Zielort und drei bzw vier Stunden bei Mittel- und Langstrecke.

Befreit sind die Fluggesellschaften, wenn ein außergewöhnlicher Umstand zu Verspätung oder Annullierung geführt hat. An dieser Stelle greift die Rechtsprechung hart durch und zählt mittlerweile vieles, das früher als außergewöhnlich galt, nunmehr zum normalen Betrieb einer Fluggesellschaft.

An dieser Stelle spießt es sich aber gerne: die Rechtsabteilungen der Airlines wehren Aufforderungen zur Ausgleichszahlung meist ab. Erstens liegen die Kosten dafür in Millionenhöhe und dämpfen den Unternehmensgewinn und zweitens wähnen sie sich im Streit über Zahlungen in Sicherheit – viele Passagiere werfen entnervt das Handtuch, wenn sie im Antwortschreiben mit außergewöhnlichen Umständen konfrontiert werden und das Gegenteil beweisen müssen.

Bei Flugentschädigung hat die Praxis gezeigt, dass Fluggastportale wie etwa AirHelp schneller zum Ziel gelangen. Im Ernstfall übernehmen diese Portale nämlich auch das Prozesskostenrisiko, weil sie sich nicht nur sehr gut in diesem Rechtsgebiet auskennen, sondern auch viele wegweisende Urteile bereits erstritten haben.

Auf die Rechte aus der EU-Fluggastrechteverordnung zu bestehen, lohnt sich somit in den allermeisten Fällen.

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