B2B - von A bis Z

Gerüst

Gerüste werden benötigt, um Arbeiten an den vom Boden aus nicht erreichbaren Teilen von Gebäuden oder Anlagen sicher durchführen zu können. Unser Überblicksartikel infomiert über gebräuchliche Gerüstformen und Gerüsttechniken, und verweist auf Sicherheitshinweise zum Betrieb von Gerüsten.

Gerüst – Begriffsbestimmung

Die Berufsgenossenschaften und der Gesetzgeber definieren das Gerüst in verkürzter Form etwa als: "Ein Gerüst ist eine Baukonstruktion, welche aus unterschiedlichen großen Gerüstlagen am Ort der Verwendung beliebig zusammengesetzt und nach seiner bestimmungsgemäßen Verwendung wieder in seine Einzelteile zerlegt wird." Im Klartext heißt das, dass das Gerüst aus mehren Einzelteilen besteht, welches je nach Verwendungszweck und Platzangebot am vorgesehenen Aufstellungsort variabel aufgebaut werden kann.

Gerüst – Arten

Die Gerüstarten sind in die zwei Kategorien Arbeitsgerüst und Schutzgerüst unterteilt.

Arbeitsgerüst

Von einem Arbeitsgerüst aus dürfen Arbeiten ausgeführt werden. Sie müssen so beschaffen sein, dass sie nicht nur die darauf befindlichen Personen tragen sondern auch die für die Arbeit erforderlichen Materialien, Hilfsmittel und Werkzeuge.

Schutzgerüst

Ein Schutzgerüst dient in erster Linie der Sicherheit der Arbeiter, die über ihm arbeiten oder der Personen, die sich unter ihm befinden. Es schützt beispielsweise Personen, die mit Dacharbeiten beschäftigt sind. Es dient hier als Fanggerüst, um die Arbeiter bei einem eventuellen Absturz abzufangen und so den Fall in die Tiefe zu verhindern. Als so genanntes Dachfanggerüst schützt es die Personen, die sich unter ihm befinden. Im Allgemeinen sind dies die unter ihm befindlichen Arbeitern oder auch die Passanten, die in sich in der Nähe des Arbeitsplatzes befinden. Dieses Schutzdach fängt herabfallende Gegenstände wie Werkzeuge oder Arbeitsmaterialien sicher auf.

Gerüst – Gerüstgruppen

Je nach Anwendungsgebiet müssen Arbeitsgerüste verwendet werden, die der hierfür entsprechenden Gerüstgruppe zugeordnet sind. Es gibt hier sechs verschiedene Gruppen.

Gerüstgruppe 1

Die Gerüste der Gerüstgruppe 1 weisen eine Mindestbreite der Belagfläche von 0,50 m auf. Das flächenbezogene Nutzungsgewicht liegt unter 150 kg/m².
Diese Gerüste dürfen lediglich für Tätigkeiten eingesetzt werden, die zur Inspektion dienen. Arbeiten dürfen hierauf nicht ausgeführt werden.

Gerüstgruppe 2

Hier ist eine Mindestbreite der Belagflächen von 0,60 m vorgeschrieben. Das flächenbezogene Nutzungsgewicht liegt hier bei 150 kg/m².
Arbeitsgerüste, die dieser Gruppe zugeordnet sind, dürfen nicht für das zusätzliche Lagern oder Absetzen von Baustoffen oder Bauteilen eingesetzt werden.

Gerüstgruppe 3

Damit das Gerüst der Gruppe 3 zugeordnet werden kann, ist die Mindestbreite der Belagfläche zwar mit der der Gruppe 2, also 0,60 m² identisch, doch liegt das Nutzungsgewicht bei 200 kg/m².
Ab dieser Gerüstgruppe 3 ist das Arbeiten lediglich bedingt mit der zusätzlichen Lagerung von Bauteilen erlaubt. Allerdings muss hier die Obergrenze des flächenbezogenen Nutzungsgewichtes unbedingt beachten werden. Diese Gerüste werden unter anderem für folgende Arbeiten eingesetzt: Putz- und Stuckarbeiten, Malerarbeiten, Fassadenbekleidungsarbeiten, Verfugungs- oder Ausbesserungsarbeiten.

Gerüstgruppe 4

Ab der Gerüstgruppe 4 beträgt die Mindestbreite der Belagfläche 0,90 m. Bei der Gerüstgruppe 4 beträgt das flächenbezogene Nutzungsgewicht 300 kg/m².

Gerüstgruppe 5

Bei der Gerüstgruppe 5 ist die Mindestbreite der Belagfläche mit der der Gruppe 4 identisch. Das Nutzungsgewicht jedoch beträgt hier 450 kg/m².

Gerüstgruppe 6

Hier beträgt das Nutzungsgewicht 600 kg/m². Die Mindestbreite der Belagfläche beträgt auch hier 0,90 m.

Die Arbeitsgerüste, die zu den Gruppen 4 – 6 gezählt werden, werden hauptsächlich bei folgenden Arbeiten eingesetzt: Maurerarbeiten, Fliesen- und Naturwerksteinarbeiten sowie Montagearbeiten. Da hier die Tragkraft im Gegensatz zu den Gerüsten der Gruppe 1 – 3 relativ hoch ist, können hier Materialien auch gelagert werden.

Bei allen Gerüstgruppen muss darauf geachtet werden, dass ein freier Durchgang von mindestens 0,20 m Breite vorhanden sein muss, wenn zusätzlich Material auf dem Gerüst – wenn auch kurzfristig – gelagert wird.

Gerüst – Sicherheitsmaßnahmen

Das Aufstellen von Gerüsten und das Arbeiten hierauf unterliegen strengen Sicherheitsmaßnahmen.
Die Berufsgenossenschaft hat vor der Aufstellung eines Gerüsts zur Auflage gemacht, dass der verantwortliche Gerüstaufsteller vorab zu prüfen hat, ob sich potentielle Gefahrenquellen wie elektrische Anlagen, Rohrleitungen, Schächte, Kanäle, Anlagen mit Explosionsgefahr, Kran- und anderweitige Förderanlagen oder Bauteile, die beim Betreten oder Begehen leicht durchbrechen können, wie Glasdächer oder Lichtplatten, vorhanden sind.
Des weiteren hat der Verantwortliche zu prüfen, ob den Arbeitern auf dem Gerüst eventuell eine Gefahr aus dem Verkehr von Land-, Wasser- oder Luftfahrzeugen drohen kann.
Sollte dies der Fall sein, muss er entsprechend den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben entsprechende Vorkehrungen vor dem Aufbau des Gerüstes treffen.

Beim Aufbau selbst ist darauf zu achten, dass der Zugang zu öffentlichen Anlagen wie Feuermeldern oder Hydranten gewährt bleiben muss. Auch muss der Platz der Aufstellung so abgesichert werden, dass keine Personen während der Gerüstbauarbeiten gefährdet werden. Wenn sich elektrische Anlagen in der Nähe des Gerüstes befinden, muss ein sich nach der jeweiligen Nennspannung definierender Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dieser reicht beispielsweise von einer Nennspannung von bis zu 1000 V von 1,0 m bis zu einer Spannung von bis zu 380 kV bis zu einem Sicherheitsabstand von mindestens 5,0 m.
Während der Arbeit auf einem Gerüst ist darauf zu achten, dass diese nur über sichere Zugänge und Aufstiege betreten oder verlassen werden.

Auf Schutzgerüsten ist das Lagern oder auch nur kurzfristige Absetzen von Materialien und Gegenständen verboten.
Ab einer Belaghöhe von 1,0 m ist bei einem Kleingerüst ein dreiteiliger Seitenschutz vorgeschrieben, wenn hier mit Maschinen gearbeitet wird. Bei Bauarbeiten gilt dies erst ab einer Belaghöhe von 2,0 m.

2 Kommentare

Kommentar abgeben