Unter dem Begriff "Perücke" fallen nicht nur der komplette Haarersatz, wie weithin vermutet, sondern auch Haarteile oder Toupets. Gründe, eine Perücke zu tragen, sind entweder modischer Natur, wenn die Träger ihre Haarlänge und/oder Farbe gerne optisch je nach Lust und Laune verändern möchten, ohne hier endgültige Entscheidungen treffen zu müssen oder aber sie leiden unter genetisch bedingten oder krankhaftem Haarausfall. Auch manche medizinischen Notwendigkeiten wie beispielsweise die Chemotherapie können einen zeitlich begrenzten Haarausfall auslösen. In all diesen Fällen stellt die Perücke für die Träger eine große Aufwertung ihres Selbstwertgefühls dar und erhöht so die Lebensqualität.
Wichtig bei einer Perücke ist vor allem ihre Natürlichkeit. Wer eine Perücke trägt oder gar tragen muss, möchte verständlicherweise nicht, dass es jemand merkt. Hierbei kommt es nicht nur auf die Haarstruktur an, also ob Kunst- oder Echthaar verarbeitet wurde, sondern auch auf die Passgenauigkeit und die so genannte Montur, als der Knüpftechnik, mit welcher die Haare auf den Untergrund eingearbeitet wurden. Auch sollten Ihre Gegenüber den Unterschied zwischen echter und falscher Kopfhaut nicht erkennen können.
Bei der Herstellung von Perücken werden drei verschiedene Haartypen verwendet.
Kunsthaar
Mit Kunsthaaren geknüpfte Perücken sind nicht so belastbar und natürlich wie Perücken, welche mit Echthaar verarbeitet wurden. Es ist deutlich härter in seiner Struktur. Schwimmen und/oder Tauchen sollten Sie mit Kunsthaarperücken vermeiden, da das Chlorwasser die Haare angreift. Wenn Ihre Frisur Windböen ausgesetzt wird, kann es passieren, dass die Haare nicht in ihre ursprüngliche Form zurückfallen und abstehen. Kunsthaar kann bei einigen Trägern auch allergische Reaktionen hervorrufen. Frisurvarianten wie Hochsteckfrisuren oder Pferdeschwänze sind mit Kunsthaarperücken nicht möglich.
Asiatisches Echthaar
Das asiatische Echthaar ist das meist verwendete Haar bei der Herstellung von Perücken. Es verhält sich bei jedem Wetter genau wie das eigene Haar. Ein kleiner Nachteil ist allerdings, dass sich die Haarfarbe bei Sonneneinstrahlung heller verfärben kann. Selbst Schwimmen und/oder Tauchen ist mit dem asiatischen Echthaar kein Problem. Mit diesen Perücken können Sie auch unterschiedliche Frisuren ausprobieren, da es genau so frisierwillig ist, wie das eigene Haar.
Europäisches Echthaar
Es gleicht im Prinzip dem asiatischen Echthaar, ist aber von seiner Struktur feiner und weicher, was sich vor allem beim Befühlen bemerkbar macht.
Nicht nur die Haare machen die Natürlichkeit einer Perücke aus, auch die verwendete Knüpftechnik.
Tressen
Hier werden Haare maschinell auf dickere Fäden draufgestickt.
Monofilament
Dies ist die am meist verbreitete Knüpfart. Hier werden auf einem feinen Netz jeweils an den Eckpunkten Haare angebracht, teilweise sogar mit der Hand.
NatureNet
Die ist sozusagen die "Luxusvariante". Das benutzte Netz ist hauchfein. Die Haare werden einzeln per Hand in dieses Netz geknüpft. So kann ein fast natürliches Abbild einer Kopfhaut mit optimalem Haarbewuchs nachgebildet werden.
Je hochwertiger die Perücken verarbeitet wurden, desto kürzer ist auch deren "Lebensdauer". Perücken, die mit der Tressentechnik hergestellt wurden, halten circa 24 Monate. Monofilamentperücken haben eine Haltbarkeitsdauer von 1 bis 1 ½ Jahren. Perücken, die mit der NatureNet-Technik geknüpft wurden, halten hingegen nur fünf bis acht Monate.