Wer, wie jeder zehnte Deutsche, einmal im Leben eine psychiatrische Klinik aufsuchen muss, wird feststellen, dass neben Pillen und Worten auch kreativ-therapeutische Verfahren ihren Platz haben. Es wird gemalt, gezeichnet, Musik gemacht, getanzt und mit Plastilin, Ton oder Stein gearbeitet. Dies geschieht unter Anleitung ausgebildeter Kunsttherapeuten.
Für den Beruf Kunsttherapeut gibt es sehr unterschiedliche Ausbildungswege. Einerseits werden Dipl.-Studiengänge an Fachhochschulen oder Aufbaustudiengänge an Hochschulen, neuerdings sogar an Kunstakademien angeboten, andererseits gibt es inzwischen eine Vielzahl berufsbegleitende, private Aus- und Weiterbildungsinstitute. Diese bieten in Form von Wochenend-Seminaren die Möglichkeit eine Kunsttherapie - Ausbildung zu machen.
Bei Dipl. Studiengängen verläuft die Ausbildung nach folgenden Inhalten
Eine künstlerisch-praktische Grundausbildung in Malerei, Bildhauerei, grafischen Techniken, Keramik oder textilem Gestalten; Farben und Formenlehre
Einführung in die Kunsttherapie
Kunsttheoretische Fächer wie Kunstgeschichte, Stilkunde, Ästhetik, Kunstpsychologie, -soziologie
Wissenschaftliche Grundlagenfächer der Kunsttherapie wie Pädagogik, Sozial- und Heilpädagogik; Grundlagen der Philosophie, der Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und der Medizin
Im Mittelpunkt des Hauptstudiums stehen kunsttherapeutische Praxisfächer wie Kunsttherapie in pädagogischen Feldern
Tiefenpsychologisch orientierte Kunsttherapie
Prozessorientierte Kunsttherapie
Kunsttherapeutische Theorien
Sie werden ergänzt durch eine Ausbildung in therapeutischer Gesprächsführung. Man lernt verschiedene therapeutische Programme und Verfahren kennen und besucht vertiefende wissenschaftliche Lehrveranstaltungen in den kunsttheoretischen und therapeutisch-pädagogischen Fächern.
Möglichkeiten der Spezialisierung: Im Bereich der Bildenden Kunst spezialisiert man sich auf Malerei oder aber auf Bildhauerei, Installation, Konzept, Medien, Plastik, Keramik und Textil.
Im theoretischen Bereich werden Wahlpflichtfächer wie Psychotherapie und Spiritualität, künstlerisch-therapeutische Identität, Gestalttherapie, Gestaltungstherapie, Forschungsansätze in der Kunsttherapie, Kunstgeschichte, Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen angeboten. Je nach Fachhochschule ergänzen anthroposophisch orientierte Studienfächer wie Eurythmie die Ausbildung.
Bei privaten Ausbildungsinstituten entfallen die künstlerischen Ausbildungsgänge und es werden vorwiegend psychologische und praktische Lehrinhalte, wie verschiedene Techniken therapeutischer Gesprächsführung vermittelt.
Bisher ist es so, dass die Berufsbezeichnung "Kunsttherapeut" nicht geschützt ist. Das soll durch gesetzliche Vorschriften geändert werden. Kunsttherapeut darf sich dann nur noch nennen, wer diesen Vorschriften entspricht.
Absolventen von staatlich anerkannten Fachhochschulen oder Aufbaustudiengängen an Hochschulen schließen mit einem Diplom ab und dürfen die Bezeichnung "Dipl. Kunsttherapeut (FH)" führen. Absolventen von privaten Ausbildungsinstituten schließen meist mit einem Zertifikat ab und führen die Berufsbezeichnung "Kunsttherapeut". An die Berufsbezeichnung wird meist das Kürzel eines Berufsverbandes von dem das Institut anerkannt ist (DFGKT), (DGKT), (BVAKT) (DGIK) oder (FAKT) angefügt. Bei entsprechender Zusatzqualifikation kann auch eine IHK-Prüfung zum "Klinischen Kunsttherapeuten (IHK)" absolviert werden.
In folgende Arbeitsfeldern sind Kunsttherapeuten tätig:
Heilpädagogik: In Heimen, Sonderschulen, Lebensgemeinschaften und Arbeitsstätten für behinderte Menschen werden Kunsttherapeuten in der Therapie und zur Integration einbezogen.
Im anthroposophischen Umkreis gehören dazu die Lebensgemeinschaften der Camp Hill-Bewegung, aber auch viele Bauernhöfe, die Sozialtherapie in den landwirtschaftlichen Betrieb integriert haben.
Arbeit mit Kindern: Kunsttherapeuten arbeiten mit Kindern in Kindergärten oder Kindertagesstätten. Es gibt auch Arbeitsbereiche mit Ausländerkindern in Containerdörfern und Asylantenhäusern.
Sozialtherapie: In Einrichtungen auf dem Gebiet der Resozialisierung oder der psychosozialen Nachsorge von Menschen, in denen mit Drogenabhängigen, Alkoholkranken oder anderen bedürftigen Menschen gearbeitet wird. Erfahrungen in der Arbeit mit Strafgefangenen konnten gemacht werden, die es rechtfertigen auch dort künstlerische Mittel zur Unterstützung der Resozialisierung einzusetzen.
Erwachsenen-Bildung
Hier bieten sich die klassischen Kulturstätten an, wie Volkshochschule, Kulturhäuser oder freie Bildungsträger.
Sicher sind die Einsatzmöglichkeiten der Kunsttherapie in den verschiedenen Lebens- und Arbeitsfeldern noch nicht ausgeschöpft. Der Bedarf wird jedoch künftig steigen