Eine Industrienähmaschine verfügt neben diversen anderen Eigenheiten über hohe Leistungsfähigkeit im Dauerbetrieb, außerordentliche Nähgeschwindigkeit und sollte möglichst auch eine hohe Laufruhe, Betriebssicherheit und geringen Wartungsaufwand aufweisen.
Die Standardversion der Industrienähmaschine ähnelt im Wesentlichen einer Haushaltsnähmaschine. Sie besitzt ebenso einen Nähfuß, verschiedene Näh- und Stichprogramme, Garnrollenständer und ein Handrad. Eine Industrienähmaschine wird nicht selten mit einem Tisch geliefert, in den die Maschine - beispielsweise zum Transport - versenkt werden kann - Oft auch mit einer Tischschublade, in der Garnrollen, Ersatznadeln und weiteres Zubehör Platz finden. Eine Lampe oder ein Halogen-Nählicht sind im Lieferumfang manchmal ebenso enthalten.
Viele Funktionen die bei Haushaltsnähmaschinen manuell betrieben werden, funktionieren bei einer Industrienähmaschine automatisch, so etwa der Fadenabschneider oder ein eingebauter Nähfußlifter.
Industrienähmaschinen besitzen meist einen Anlasser oder Kupplungsmotor mit einer bestimmten Anzahl an Umdrehungen. Bei manchen Industrienähmaschinen können auch leistungsfähigere Motoren ein- oder angebaut werden. Der Antrieb erfolgt entweder intermittierend oder synchron zum Nähvorgang. Viele Industrienähmaschinen haben außerdem einen Öltank für die automatische Getriebe-Schmierung.
Ebenso differieren Abstand und Anzahl der eingesetzten Nadeln, Größe der Fadenspulen, Anzahl der Fäden (1-5-Fädig) sowie die Geschwindigkeit mit der das Nähgut transportiert wird. Universaltranporteure eignen sich beispielsweise für sehr feine bis schwere Stoffe. Der Nähfuß lässt sich im Allgemeinen auf verschiedene Materialstärken einstellen. Ein zusätzlich montierbarer Freiarm in verschiedenen Längen gehört oft bereits zum Sonderzubehör.
Nicht nur im Atelier und in der (Änderungs-)Schneiderei werden Industrienähmaschinen eingesetzt. Auch Sattler, Polsterer, Raumausstatter, Tapezierer, Autotapezierer und natürlich Betriebe mit Massenproduktion setzen Industrienähmaschinen zur Herstellung ihrer Produkte aus Stoffen, Planen, Leder und anderen, teilweise auch kaschierten Materialien ein. Polster, Airbags, Schuhe, textile Filter, Isolationsmaterial und Sicherheitsgurte sind typische Güter, die mit Industrienähmaschinen gefertigt werden.
Neben universal einsetzbaren Industrienähmaschinen gibt es auch Spezialnähmaschinen, die auf eine bestimmte Funktion spezialisiert oder umgerüstet sind. So werden beispielsweise Overlock- und Versäuberungsmaschinen, Pelznähmaschinen, Schuhmachermaschinen, Knopfannäher mit spezifischer Automatik, Reisverschlussnäher, Kettelmaschinen, (Zick-Zack-)Schnellnäher mit dreifachem Transport oder Sackverschließmaschinen mit einer Nadel und einer Stichart für aufreißbare Nähte angeboten.
Der Puller einer Industrienähmaschine besteht aus einem oberen und einem unteren Teil und transportiert das Nähgut in verschiedenen Stärken und mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Puller werden entweder manuell oder auch pneumatisch abgehoben. Bei vielen Industrienähmaschinen ist der Transportvorschub für den oberen und unteren Puller individuell und stufenlos einstellbar. Puller bei Industrienähmaschinen müssen weitaus leistungsfähiger, oft auch schneller und höher abzuheben sein als bei privat genutzten Nähmaschinen. Für besonders schweres oder schlecht gleitendes Material und höhere Transportgeschwindigkeiten können auch zusätzliche Puller und Transporthilfen zugeschaltet werden.
Selbstverständlich erhalten Sie im Spezialhandel auch große Nähanlagen mit rechnergesteuerten Programmen für die Verarbeitung von Einzelzuschnitten oder Rollenware und Halbprodukten.
Für den privaten Einsatz können Sie Industrienähmaschinen - vor allem im Internet - auch gebraucht kaufen.