Factoring ist eine Art der Unternehmensfinanzierung. Ziel des Factoring ist es, eine umsatzkongruente Finanzierung sicherzustellen, die ebenfalls das Debitorenmanagement nicht mehr notwendig macht. Hierzu verkauft ein Unternehmer einem so genannten Factor seine Forderungen, das heißt, er übergibt ihm die von ihm gestellten Rechnungen. Der Factor kauft die Forderung des Unternehmers gegenüber seinem Kunden und begleicht diese unmittelbar an den Unternehmer. Er zieht hier lediglich ca. 10 - 15 % der Rechnungssumme als Sicherheit ab. Bezahlt der Kunde, erhält der Unternehmer anschließend den vorher einbehaltenen Betrag. Der Unternehmer hat somit innerhalb kürzester Zeit seine Rechnungen beglichen bekommen und ist so im Stande, seinerseits Außenstände abzutragen. Das Risiko des Forderungsausfalles trägt der Factor.
Factoring kann auf verschiedene Arten praktiziert werden:
Full-Service-Factoring / Offenes Factoring
Im Falle des offenen Factorings weiß der Kunde bereits mit Rechnungsstellung, dass der Unternehmer seine Forderung an ihn einem Factor verkauft hat. Ein entsprechender Hinweis auf der Rechnung sowie die Mitteilung, dass die Zahlung direkt an den Factor geleistet werden sollen, geben ihm hierüber Aufschluss. Besonders Ärzte nehmen diesen Service gerne in Anspruch.
Für den Unternehmer hat diese Art des Factorings den großen Vorteil, dass er seinen Buchhaltungsaufwand extrem klein halten kann und der Factor das Debitorenmanagement für den Unternehmer übernehmen muss.
Inhouse-Factoring / Stilles Factoring
Beim stillen Factoring bleibt dem Kunden die Information zuerst noch vorbehalten, dass der Unternehmer die Forderungen gegen ihn bereits verkauft hat. Zahlungen sind nach wie vor an den Unternehmer zu leisten, der diese dann beim Eingang des Geldes an den Factor weiterleitet. Erst wenn der Kunde seiner Zahlungsverpflichtung nicht nachkommt, wird das Factoring-Verhältnis offen gelegt und der Factor übernimmt die Beitreibung.
Hier nutzt der Unternehmer zwar die Risikoabsicherung sowie die Finanzierungsmöglichkeit durch den Factor, doch weitere Dienstleistungen nimmt er nicht in Anspruch. Die Buchhaltungsaufgaben, die er nun treuhänderisch für den Factor erledigen muss, verbleiben bei ihm.
Export-Factoring / Import-Factoring
Factoringinstitute bieten Ihre Dienstleistungen nicht nur für inländische Geschäfte an, sie übernehmen auch Forderungen in grenzüberschreitenden Fällen.
Das Factoring hat nicht nur den Vorteil, dass der Unternehmer seine Forderungen unmittelbar ausgeglichen bekommt und sich sein finanzieller Handlungsspielraum dadurch erheblich verbessert. Dies stärkt ebenfalls seine Position seiner Hausbank sowie seinen Lieferanten gegenüber. Seine Liquidität wird deutlich verbessert. Auch hat er bessere Möglichkeiten, Rabatte oder Skonti zu nutzen, da er seine Rechnungen selbst schneller bezahlen kann.
Ein weiterer großer Vorteil ist der, dass er sich nicht mehr darum kümmern muss, dass seine Kunden die Rechnungen begleichen. Durch den Verkauf seiner Forderungen ist er vor Forderungsausfällen vollständig geschützt.
Die Kosten, die Factoringinstitute ihren Kunden für ihre Dienstleistungen berechnen, richten sich in der Regel nach der Höhe des Ausfallrisikos sowie des Aufwandes für das Debitorenmanagement. Diese Kosten belaufen sich zwischen 0,8 und 2,5 % der Rechnungssumme. Für die Finanzierung der Außenstände berechnen die Dienstleister Zinsen in Höhe der banküblichen Kontokorrentzinsen.