Rund fünf Millionen Deutsche leiden an Arthrose. Trotz jahrzehntelanger umfassender Forschung ist eine Heilung der Arthrose bislang nicht möglich. Analgetika (schmerzstillende oder -lindernde Medikamente) und Antirheumatika können lediglich den Entzündungsprozess hemmen und haben oftmals starke Nebenwirkungen. Es gibt jedoch verschiedene Arthrose-Therapien, die den Arthroseverlauf verlangsamen oder sogar stoppen können. Hier lesen Sie, was sie vorbeugend gegen Arthrose und akuter rheumatoider Arthritis tun können und welche Arthrosetherapien Ihnen bei einer Arthrose-Erkrankung zur Verfügung stehen.
Arthrose (auch Osteoarthrose, Arthrosis deformans; engl.: Osteoarthritis genannt) ist eine nichtentzündliche Gelenkknorpel-Erkrankung. Durch den Abbau des Gelenkknorpels verringert sich seine Belastbarkeit und es kommt zu einem schmerzhaften Bewegungsablauf sowie einer Verformung der Gelenke. Die Arthrose ist die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen und betrifft bei den über 50-Jährigen bis zu 80 Prozent der Bevölkerung. Die Arthrose kann überall in unserem Körper entstehen, wo Knorpel vorhanden ist. Es gibt sehr viele Arthrosearten, die häufigsten sind die Hüftarthrose (Coxarthrose), Kniearthrose (Gonarthrose), Arthrose der Wirbelsäule (Spondylarthrose) und die Arthrose des Schultergelenks (Omarthrose). Oft sind auch die Zehgelenke, Sprunggelenke, Fingergelenke oder Kiefergelenke betroffen. Eine bereits bestehende Arthrose ist nicht heilbar, da verloren gegangener Knorpel nicht wieder nachwächst. Arthrose-
Die Arthrose ist ein Knorpelverschleiss der Gelenke, die Arthritis dagegen eine akute Gelenkentzündung. Unter akuter rheumatoider Arthritis versteht man eine schubweise verlaufende entzündliche Gelenkerkrankung, die die Knorpelflächen im Gelenkinnern direkt angreift. Dies kann im Verlauf zu einer Arthrose-Erkrankung führen, denn eine unbehandelte Entzündung führt zu noch mehr Knorpelverschleiss im Gelenk.
Die gelenkschonenden Maßnahmen, wie z.B. arthrosespezifische Ernährung, Bewegungstipps sowie Kälte- und Wärme-Therapien, die bei einer Arthrose-Erkrankung empfohlen werden, helfen auch Arthritis Betroffenen.
Degenerative Gelenkerkrankungen (das Gelenk abnutzende Erkrankungen) sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Ärzte schätzen, dass derzeit ca. 39 Millionen Europäer von Arthrose betroffen sind - bis 2020 rechnet man mit einer Verdoppelung dieser Zahl. In Deutschland leiden mehr als 5 Millionen Menschen an Arthrose; fast die Hälfte der 35-Jährigen zeigt erste Anzeichen einer Arthrose. Die wirtschaftlichen Konsequenzen von Arthrose sind enorm. In Deutschland verursacht Arthrose sozioökonomische Kosten von € 8 Milliarden pro Jahr direkter und indirekter Kosten.
Folgende Symptome können ein Hinweis auf eine Arthrose-Erkrankung sein: bewegungsabhängige Gelenkschmerzen oder Schmerzen, die zu Beginn einer Bewegung auftreten und mit Fortdauer der Belastung nachlassen, eingeschränktes Bewegungsausmaß der betroffenen Gelenke sowie "Knirschen" im Gelenk bei einer Bewegung, morgendliche Gelenksteife, verstärkte Beschwerden bei feuchtem und kaltem Wetter und ein unangenehmes Schwellungsgefühl ohne eine sichtbare Schwellung am betroffenen Gelenk.
Beim Röntgen, der zur Zeit häufigsten Art der Diagnostik, bzw. der Kernspintomographie, zeigen sich bei einer Arthrose typische Veränderungen. Dabei gehen allerdings die Veränderungen im radiologischen Bild nicht immer parallel mit den Beschwerden des Patienten einher.
Das Risiko einer möglichen Arthrose-Erkrankung am Knie können Mediziner ab sofort mit einem neuartigen Gentest einschätzen. Für die Untersuchung reichen 2 bis 5 Milliliter Blut des Patienten aus. Dabei wird in einem Speziallabor der Vitamin-D-Rezeptor untersucht.
Mit Hilfe dieses Ergebnisses können die Mediziner je nach Risikograd vorbeugende Maßnahmen ergreifen und Ratschläge gegen die Verschleißerscheinung der Gelenke geben.
Die Ursachen der Arthrose sind recht vielfältig. Allgemein fördern folgende Ursachen die Arthrose: Übergewicht, Bewegungsmangel, einseitige Sportarten (z.B. übermässiges Joggen), X- oder O-Beine, Knochenbrüche in Gelenknähe, mangelnde Kräftigung der gelenkstützenden Muskulatur , Meniskusschäden, Gelenkentzündungen, Gelenkerkrankungen, angeborene Gelenkschäden, Bänderrisse und Rauchen.
Die Arthrose selbst kann nicht vererbt werden. Genetische Faktoren spielen aber trotzdem eine Rolle bei einer Arthrose-Erkrangung, da die Anlagen für Beinfehlstellungen und Gelenkdeformationen sowie rheumatische Erkrankungen, die einer Arthrose fördern können, erblich sind.
Eine Vorbeugung im Sinne einer Krankheitsvermeidung ist bei Arthrose und Arthritis nicht möglich. Man kann jedoch durch gelenkschonende Massnahmen aller Art, den Krankheitsbeginn einer Arthrose hinauszögern bzw. die Beschwerden bei einer Arthritis lindern, z.B. durch Vermeidung von Fehlbelastung und Überbelastung der Gelenke, mit Bewegung (z.B. Radfahren, Schwimmen, Gymnastik, Walking, u.ä.), durch Wärme bei ruhender Arthrose und Kälte bei aktivierter Arthrose und Arthritis, durch Entspannungsübungen, um die Muskulatur zu relaxen sowie durch die Reduktion von Übergewicht. Sehr hilfreich ist auch die Verwendung von Gehstöcken und gutem Schuhwerk (Schuhe mit einer weichen Sohle, da diese harte Stösse abpuffern).
Schmerzende Gelenke bei Arthritis und Arthrose stehen in engem Zusammenhang mit der Ernährung, denn die richtige Kost kann den Gesamtverlauf der Arthrose hinauszögern sowie die Schmerzen einer akuten Arthritis lindern. Die Rheumaforschung konnte nachweisen, dass unsere Nahrung Entzündungen und Schmerzen vermindert, wenn sie arm an Arachidonsäure ist. Diese kommt besonders in fetten Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs vor.
So kann, neben reichlich Tee und Wasser ( 2 l pro Tag), eine vollwertige, fleischarme Ernährung in vielen Fällen die Schmerzen der Arthrose und der Arthritis verhindern oder zumindest deutlich lindern. Gleichzeitig sollte die Kost reichlich Fischöle mit ihren Omega-3-Fettsäuren beinhalten, Vitamin C sowie Antioxidanten wie das Vitamin E, welches sich u.a. in pflanzlichen Ölen, Getreide und Nüssen findet.
Ein weiterer Ernährungstipp bei Arthrose ist die Grünlipp-Muschel, mit der schon die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, ihre Alterssteifheit behandelt haben.
Bedenken sollte man bei allen Ernährungstipps bei Arthrose und Arthritis immer, dass es bei einigen dieser Tipps keine wissenschaftlichen Nachweise über ihre Wirksamkeit gibt, sie jedoch schon vielen Patienten Linderung ihrer Beschwerden gebracht haben.
Arthrosetherapien werden in zwei grundlegende Therapieklassen eingeteilt, konservative und operative Arthrosetherapie. Die konservative Arthrosetherapie ist dabei ein sehr umfassender Sammelbegriff für alle Arthrosetherapieformen, die nicht operativ, also ohne chirugischen Eingriff durchgeführt werden. Beispiel für konservative Arthrosebehandlungen sind Medikamente, Physiotherapie, medizinisches Krafttraining, Elektrotherapie, Massagen, Bäder, usw.
Bei der operativen Arthrosetherapie ist insbesondere daraufhinzuweisen, dass die dabei durchgeführten chirurgischen Eingriffe sowohl Gelenkerhaltend als auch Gelenkersetzend sein können. Beispiele für operative Behandlungen sind Arthroskopien aller Art sowie Gelenkersatz durch eine Endoprothese.
Bei physikalischen Behandlungen der Arthrose werden u.a. Therapieformen gewählt, wie die Wärme- oder Kälte-Therapie mit z. B. Moor, Fango, Paraffin, die Strombehandlung, die Ultraschallbehandlung und muskelkräftigende Übungen.
Bei der medikamentösen Behandlung der Arthrose ist das Ziel, Schmerzen zu lindern und den Zustand der Gelenkflüssigkeit (Synovia) oder des Knorpels zu verbessern, um so eine Operation des Gelenks solange wie möglich hinauszuzögern oder zu vermeiden. Die medikamentöse Therapie umfasst Schmerzmittel (Analgetika) wie z. B. Paracetamol, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) sowie schwach wirksame Opiate, z. B. Tramadol.
Die Mikrotherapie spielt bei der medikamentösen Behandlung der Arthrose eine besondere Rolle, da die Injektionstherapien unter Bildsteuerung und Verwendung miniaturisierter Instrumente besonderes schonend und gezielt durchgeführt werden können. Der Einsatz von sogenannten knorpelschützenden Medikamenten, wie z. B. Chondroitinsulfat oder die Injektion von Hyaluronsäure, ist in ihrer Wirksamkeit zwar umstritten, sie führt jedoch bei einigen Patienten zu einer nachhaltigen Schmerzlinderung.
Die Bedeutung orthopädischer Maßnahmen bei der Arthrose ist unbestritten. Einerseits können ausgeprägte Fehlstellungen (X- oder O-Beine) durch eine Achsenkorrektur behoben werden, andererseits besteht die Möglichkeit, isolierte Knorpeldefekte noch vor Auftreten einer Arthrose mit Knorpelgewebe aufzufüllen (Knorpelzelltransplantation, Einsatz von Knorpel-Knochenzylindern).
Die Radiosynoviorthese ist eine Therapie gegen die quälenden Schmerzen bei Polyarthritis. Behandelt man die nur mit Medikamenten, kann es sein, dass ein Gelenk über Jahre langsam zerstört wird. Bei der Radiosynoviorthese wird das erkrankte Gelenk mit Strahlen behandelt. Bei dieser "unblutigen Methode" wird die Gelenkinnenhaut des behandelnden Gelenks verödet. In das entzündete Gelenk wird mit Hilfe einer Röntgendurchleuchtung je nach Gelenkgröße das entsprechende Radioisotop injiziert. Wichtig ist, dass die radioaktive Substanz genau dorthin gelangt, wo der Entzündungsherd sitzt. Die kurze Halbwertszeit der verwendeten Isotope gewährleistet, dass nach kurzer Zeit keine aktiv strahlenden Substanzen im Körper mehr nachweisbar sind.
Folgende Kälte-Therapien bei Arthritis- oder Arthrose-Beschwerden lassen sich ganz einfach zu Hause durchführen: Bei plötzlich auftretenden Schmerzen können Sie ein paar Eiswürfel in ein Tuch einschlagen und dieses für wenige Minuten auf die schmerzende Stelle legen. Es genügt aber oft auch, wenn Sie ein Tuch kurz ins Tiefkühlfach legen und dieses dann auf die schmerzende Stelle legen. Sehr bewährt hat sich auch der kalte Essigwickel. Mischen Sie kalten Apfelessig und kaltes Wasser zu gleichen Teilen, tauchen ein Tuch ein, wringen es aus und legen es auf.
Oder versuchen Sie es mit einer der folgenden Wärme-Therapien bei Arthritis- oder Arthrose-Beschwerden: Nehmen Sie einen Fön und lassen Sie die heiße Luft einige Zeit auf die schmerzenden Stellen einwirken oder legen Sie eine Gummiwärmflasche auf, die jedoch nur mit warmem Wasser gefüllt sein sollte. Sonst kann es zu Verbrennungen auf der Haut kommen. Auch warme oder heiße Tücher sind sehr wirkungsvoll. Bei einer Fango-Moor-Packung erhitzen Sie ein fertiges Fangokissen im Backofen und legen es dann auf die schmerzende Stelle. Ein Wannenbad mit warmem Wasser wirkt durchblutungsfördernd und regt die Selbstheilkräfte an. Heilkräuterzusatze von Melisse und Wacholder können das unterstützen.
Bei einer Wärme- oder Kälte-Therapie bei Arthritis und Arthrose geht man i.d.R. davon aus, dass akute Arthritis- oder Arthroseschmerzen sich meist durch Kälte bessern, chronische Arthritis- oder Arthroseschmerzen durch Wärme. Im Grunde entscheidet aber jeder Betroffene selbst, was ihm gut tut und hilft.